Giraffe, Pinguin & Co. – Mein Auslandssemester in Kapstadt

Jana BüchlerName, Tätigkeit/Abteilung:

Jana Büchler, Duale Studentin im Studiengang BWL-Dienstleistungsmanagement-Logistikmanagement im 4. Semester

Lieblingsfarbe außer Orange?:

Weiß 

Beschreibe dich mit 3 Worten!:

lebensfroh, sportlich, keck

Für was kannst du dich begeistern?:

Fußball, Sport und neue Herausforderungen

Die Dokumentenschlacht konnte beginnen.

Die Vorbereitungen

Während meinem Studium ins Ausland zu gehen, das war schon immer ein Traum von mir. Nach Südafrika, an die University of Cape Town (UCT) sollte es gehen. Doch bis dahin waren noch einige Vorbereitungen zu treffen. Da meine Heimatuniversität, die Duale Hochschule Baden-Württemberg/ Standort Stuttgart/ Fakultät Wirtschaft, keine Partnerschaft mit der UCT hat, bewarb ich mich als sogenannter „Freemover“. Zur Bewerbung gehörten ein Motivationsschreiben, mein Lebenslauf, eine Notenübersicht sowie Nachweise über soziales Engagement. Glücklicherweise bekam ich nach Einreichung der Dokumente bereits ein paar Wochen später die Zusage. Schritt eins war also geschafft. Nun konnte die „Dokumentenschlacht“ für das Studienvisum beginnen. Hierfür reichte ich Dokumente wie Polizeiliches Führungszeugnis, beglaubigte Passkopien, Finanznachweise und Gesundheitszeugnisse persönlich bei der südafrikanischen Botschaft in München ein. Und wieder hieß es warten und hoffen. Gut acht Wochen später flatterte mein Reisepass ins Haus. Überraschenderweise inklusive einem beglaubigten !! Studentenvisum !! – Ich konnte es kaum glauben, ich würde wirklich an der University of Cape Town studieren! 🙂

Mein neues Zuhause besaß einen Garten mit genug Platz zum Braaien.

Im Landeanflug

Am 05. Februar 2017 ging es dann endlich los. 22 Stunden später befand ich mich im Landeanflug über Kapstadt. Unglaublich aufgeregt, beobachtete ich die Welt unter mir. Eine Stadt direkt am Meer, umgeben vom „Tafelberg-Nationalpark“ und scheinbar ewig verlaufenden Gebirgsketten. Hier sollte ich das nächste halbe Jahr leben. Kaum gelandet, lernte ich in der Warteschlange zur Passkontrolle die sogenannte „African time“ kennen. In einer Halle überfüllt mit Menschen hieß es: Warten. Eine Stunde, eine zweite und eine dritte. Dann hieß es auch endlich für mich „Cape Town is welcoming you“. Per Uber-Service, organisiert von der Uni, ging es daraufhin zu meinem zukünftigen zu Hause. Hier wartete Ferdy (mein Vermieter) bereits auf mich, um mir alles zu zeigen. Meine Zimmermitbewohnerin Sophie aus den Niederlanden und meine 7 weiteren internationalen Mitbewohner (aus Australien, den USA und Norwegen) waren teils schon in der Stadt unterwegs oder würden in den kommenden Stunden ankommen. Mein neues Zuhause lag nur etwa 20 Minuten zu Fuß von der Uni entfernt und besaß einen Garten mit genug Platz zum „Braaien“ (so wird Grillen in Südafrika genannt). Das Beste daran: Es war Sommer und 33 Grad – hier würden wir im laufenden Semester wohl einige Male mit Freunden sitzen und südafrikanische Fleischspezialitäten wie Boerewors (Afrikaans für Bauernwurst) essen.

Ich half einmal wöchentlich bei Ons Plek.

Das Vorsemester

Bereits zwei Tage später begann dann die sogenannte „Summer School“. Dieses bisher einmalige Angebot war als eine Art „Vorsemester“ für internationale Studenten eingefügt worden, um die Lücke zwischen dem normalen und dem tatsächlichen Semesterstart zu schließen. Das lässt sich dadurch erklären, dass es im letzten Semester landesweite Studentenproteste gab, welche auch an der UCT zu Universitätsschließungen führten. Die Proteste richteten sich hauptsächlich gegen erneute Erhöhungen der Studiengebühren, welche vom umstrittenen Präsidenten Zuma angekündigt wurden.

Im „Summer School“-Semester belegte ich den Kurs Afterlives of Colonialism. Dieser befasste sich hauptsächlich mit den Handlungsweisen und Hintergründen der Kolonialherrscher im Kontinent Afrika. Es wurde viel hinterfragt und heutige Thematiken, wie beispielsweise Entwicklungspolitiken in Europa, widergespiegelt.  Wenn wir dann nicht gerade sogenannte „Responsepaper“, Präsentationen  oder Diskussionsrunden vorbereiteten, gingen wir surfen, wanderten hoch hinauf auf den Tafelberg, den Löwenkopf oder trafen uns auf ein paar Bier in einer der vielen Bars in Kapstadt. Meistens allerdings trafen wir uns in einem der Gärten zum Braaien. Darüber hinaus half ich einmal wöchentlich bei „Ons Plek“ bei der Hausaufgabenbetreuung. Ons Plek ist eine Organisation die Mädchen aus schwierigen Lebensumständen ein temporäres zu Hause bietet und ihnen so die Möglichkeit gibt zur Schule zu gehen und eine neue Zukunft aufzubauen.

Bei dieser überwältigenden Auswahl fiel mir die Entscheidung wirklich schwer.

Der Uni-Alltag

Schnell verflog der erste Monat und das normale Semester begann. Der Unicampus, welcher sich am Fuß des Tafelbergs erstreckt, füllte sich mit Leben. Knapp 26.000 Studenten wählten nun ihre Kurse und traten einem der zahlreichen Sport- und sozialen Vereinen bei. Bei dieser überwältigenden Auswahl fiel mir die Entscheidung wirklich schwer. Schlussendlich jedoch wählte ich die Kurse Strategic and Marketing, Political Economy of International Relations und Creativity in Business. Des Weiteren trat ich dem UCT Football Club, dem Surf Club, Engineers without Boarders und der UCT Consulting Society bei. So wie es von nun an spannend war zur Uni zu gehen, so schnell wurde es auch zum Alltag. Doch genau dies hatte ich mir gewünscht – einen Alltag erleben in einem anderen Land.

So gingen die Wochen vorüber, voller Fußballtrainings und -spielen, Surfen, Gruppenmeetings für soziale Projekte in Townships sowie Vorlesungen und Tutorials. Dazwischen hieß es natürlich auch immer noch neue Restaurants oder Wanderwege der Umgebung auszuprobieren sowie für Kurztrips Kapstadt zu verlassen. Einer diese Trips brachte ein paar Freunde von der Uni und mich nach Namibia. Hier durften wir erleben, wie auf einer Safari ein Löwe an uns vorbeistapfte oder wie junge Giraffenmännchen sich im Kampf gegeneinander übten – schon unglaublich sowas.

Ein paar Wochen nach diesem Ausflug schrieb ich meine Semesterzwischenprüfungen, hielt Präsentationen für unterschiedliche Gruppenarbeiten und reichte weitere Aufsätze ein. Denn anstatt wie zu Hause, setzen sich die Noten hier aus vielen Zwischenprüfungen bzw. Aufgaben zusammen. Dies bedeutet auf der einen Seite mehr Arbeit während des Semesters, aber auf der anderen Seite auch mehr Chancen, um sich gute Noten zu erarbeiten.

Es ist bereits jetzt eine unglaubliche Erfahrung.

Das Gesamtpaket

Nun sind es noch knapp drei Monate, in denen ich dieses Leben hier in Kapstadt und an der Uni erleben darf. Es ist bereits jetzt eine unglaubliche Erfahrung: Kapstadt und die Uni mit all ihren schönen, aber auch Schattenseiten, wie Armut oder die tägliche Konfrontation mit der stetigen Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß. Doch all dies gehört zum Paket „Auslandssemester in Südafrika“ – und genau deshalb bin ich hier.

 

Ein paar Eindrücke in Bildern:

Share on Pinterest

1 Kommentar

  • Jannis Büchler10. Mai 2017
    Richtig guter text
Ihr Kommentar

* markierte Felder sind Pflichtfelder