Fernstudium hautnah – meine persönlichen Erfahrungen Teil ll

Fernstudium oder lieber Präsenzstudium? Uni oder Fachhochschule? Dies sind Themen, die sicherlich auch viele von Euch bewegen und beschäftigen. In der KW 41 haben wir bereits den ersten Erfahrungsbericht unserer Praktikantin Natalja Egel veröffentlicht, die selber ihr Studium an einer Fernuni absolviert (siehe: Teil 1). Nun folgt der Teil 2. Viel Spaß beim Lesen!

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Name und Tätigkeit/Abteilung:
Natalja Egel,
Praktikantin in der Personalabteilung

Lieblingsfarbe außer Orange?
Dunkelblau

Beschreibe dich in 3 Worten:
offen, ehrlich, spontan

Für was kannst du dich begeistern:
Musik, Kochen & Backen, Tanzen

 

 

Das Studium an der FernUniversität (B.Sc. Psychologie) erstreckt sich über sechs Semester, abgeschlossen wird das Semester mit Klausuren und das Studium mit der Bachelor Arbeit.

 

Klausuren schreibenDie meisten Mitmenschen haben einen falschen Eindruck von den FernUni Klausuren und deren Ablauf. Was ich mir nicht alles über meine Klausuren habe sagen lassen müssen! Ich hätte es ja so viel einfacher, zu Hause am PC die Klausuren zu schreiben und daneben schön das Skript liegen haben, selbstverständlich zum „Nachschauen“, falls mal etwas nicht einfällt. Nein. Die Realität sieht anders aus. Der tatsächliche Ablauf weicht immens von den Vorstellungen der Mitmenschen ab, die meinen es ja bekanntlich immer besser mit einem. Spaß beiseite: es gibt festgelegte Klausurorte (Hörsäle an Universitäten, Kongressräume, etc.) und Klausurzeiten, ob im In- oder Ausland. Wer sich zur Klausur an- aber nicht mehr abmeldet, wird mit einer 5,0 „belohnt“ und darf das Semester von vorne starten. An diesem Punkt postuliere (ein Wort, welches ich dank dem Psychologie Studium kennen lernen durfte – danke dafür) ich, dass es an der FernUni sogar schwieriger ist. Ein Semester wird in „nur“ zwei Prüfungen abgefragt. Für viele ist eine einstündige Prüfung bereits eine Zumutung, an der FernUni (Studiengang Psychologie, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit!) dauert eine Klausur vier! qualvolle Stunden. Bei mir bestand jedes Semester aus zwei Modulen, sprich 2×4 Stunden, in welchen der Stoff eines Semesters abgefragt wird, da kommt man nicht nur buchstäblich ins Schwitzen. Ein Wermutstropfen für jeden Lernenden betrifft die Klausurform: Multiple Choice. Während der Klausur ertönt ein kollektives Stöhnen im Hörsaal, die Bearbeitungszeit beginnt. Unter ständiger Aufsicht schreiben dutzende Studenten Ihr mühsam erlerntes Wissen nieder, an diesem Punkt sei nochmal darauf hingewiesen: ohne die Möglichkeit mal eben etwas nachzuschauen, wie an der Präsenzuniversität auch! Das darauffolgende Warten auf die Ergebnisse ist qualvoll, der Prozess kann sich bis zu acht Wochen hinziehen, obwohl das bei der Menge an Studierenden auch verständlich und hinnehmbar ist.

 

TerminkoordinationEinen Kritikpunkt muss ich dennoch kundtun, dieser betrifft die Nachschreibetermine für nicht bestandene Klausuren. Wieso ist dies ein Kritikpunkt? – denken sicherlich die Meisten – tja, weil es keine Termine gibt (B.Sc. Psychologie). Eine nicht bestandene oder versäumte Klausur kann nicht etwa in ein bis zwei Wochen wiederholt werden – dies ist erst im nächsten Semester möglich. Eine Klausur kann zwei Mal wiederholt werden, die Bachelor Arbeit einmal, diese Regelungen unterscheiden sich, wenn, dann nur geringfügig von den Regelungen der Präsenzuniversitäten. Der geplante Studienverlauf kann an diesem Punkt mächtig ins Schwanken geraten, denn die Klausuren des höheren Semesters müssen auch geschrieben werden. Wenn dazu noch ein Nachschreibetermin kommt, könnte/kann es eng werden. Eine Herausforderung an sich stellt bereits das zu bewältigende Lernpensum dar, hinzu kommt die Terminkoordination. Es kann nämlich vorkommen, dass sich Klausurtermine überschneiden, was vor allem schwierig werden kann, wenn noch Klausuren aus einem vorigen Semester anfallen. Eine missglückte Klausur kann der geplanten 6-Semester-Studiendauer den Kopf kosten. Manche Studierende können, oder wollen, sich genau das aber nicht erlauben, bestimmte Leistungen/Fristen beruhen nun mal auf der Regelstudienzeit, hier ein Solidaritätsgruß an alle BAföG-Empfänger. Werden Fristen nicht eingehalten, kann es ziemlich schnell ziemlich teuer werden, bedenkt man alleine die Miete, wenn man nicht mehr im Elternhaus wohnt.

 

BetriebspraktikumIm Laufe des Studiums müssen zwei Pflicht-Präsenzseminare besucht werden, die sich meistens über einige Tage erstrecken. Die glücklichsten haben die Möglichkeit an einem Seminar in der Nähe des Wohnorts teilzunehmen, die Teilnehmerzahl pro Seminar ist meistens auf ca. 40 Teilnehmer begrenzt, ich musste beide Male nach Hagen anreisen. Fand ich persönlich nicht so schlimm, so konnte ich den Campus auch mal „live“ erleben sowie mehr Kommilitonen und Professoren kennenlernen. Außer den zwei Präsenzseminaren ist im Laufe des Studiums ein berufsorientiertes Praktikum Pflicht, mit einem Umfang von 200 Arbeitsstunden, welches in Teil- oder Vollzeit absolviert werden kann. Um einen Praktikumsplatz müssen sich die Studierenden selbstverständlich selber bemühen, es sei denn, ein Student arbeitet bereits in einer Einrichtung in welcher psychologische Inhalte vermittelt werden, in diesem Fall kann diese Arbeit als Praktikum anerkannt werden. Meine Suche nach einem Praktikumsplatz führte mich in die Personalabteilung der U.I. Lapp GmbH, welche ich in der Zwischenzeit wieder verlassen habe.

 

Abschluss BachelorarbeitSehr viel harte Arbeit, 130 Leistungspunkte, viele bittere Tränen und sehr viele Wutausbrüche (zum Leidwesen anderer) später, war endlich die Anmeldung zur Bachelor Arbeit möglich! Die Themenvergabe bei so vielen Studenten zieht sich in die Länge, bis endlich die E-Mail mit dem Themenvorschlag in´s elektronische Postfach flattert. Falls einem das Thema nicht zusagt und partout keine Ideen zur Umsetzung kommen, gibt es die Möglichkeit einmalig ein anderes Thema zu bekommen. Dies sehe ich persönlich sehr kritisch, es besteht immer die Möglichkeit, dass das zweite Thema nicht besser ist – zurück zum Ausgangsthema geht es an diesem Punkt jedoch nicht mehr. Wenn die Entscheidung für ein Thema gefallen ist, kann es auch sofort mit der Bearbeitung losgehen. Die Bearbeitungsdauer für die Bachelor Arbeit beträgt drei Monate im Vollzeitstudium und 6 Monate im Teilzeitstudium. Dieses Zeitfenster umfasst die Literaturrecherche, die Gesprächs-/E-Mail Termine mit dem Betreuer, das Ausarbeiten der eigentlichen Arbeit sowie die Zeit, die zum Korrekturlesen und Drucken/Binden benötigt wird. Ganz schön knapp diese drei Monate muss ich sagen. Nicht selten hatte ich schlaflose Nächte, in welchen ich verzweifelt Teile der Arbeit verworfen und wieder aufgenommen habe, eine Tatsache, mit der sich wohl jeder Student identifizieren kann. Viele durchgearbeitete Nächte, unzählige Kaffee/Teetassen und Haare-raufen-Attacken später, war es endlich geschafft. Die 55 Seiten, die mehr oder weniger über die Zukunft entscheiden werden, stehen. Auch hier werden mir die meisten Studenten wohl zustimmen: ob viel Zeit zur Verfügung steht oder wenig – niemand ist zu 100% mit seiner Arbeit zufrieden. Auf der Fahrt zur Druckerei noch schnell einige Fehler korrigieren, diese Biester schleichen sich auch überall ein 😉 , und fertig ist die Druckversion. Dieses Gefühl, wenn man die Arbeit endlich in seinen Händen hält, ist unbeschreiblich! Ich glaube mir ist damals der größte Stein, (Stein, von wegen, Fels trifft es wohl besser), meines bisherigen Lebens vom Herzen gefallen. Und ein klitzekleines Steinchen bei der Bekanntgabe der Note ;-).

 

In einigen Tagen, eventuell auch Wochen, je nachdem wie lange die Bearbeitung meines Antrages dauert, werde ich mein Bachelor Zeugnis in der Hand halten. Die Lorbeeren werden endlich geerntet und ich sage: „Danke, U.I. Lapp GmbH, ohne dich wäre dies nicht möglich gewesen!“

 

Die Zukunft heißt M.Sc. Psychologie – Danke, FernUni Hagen!

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